Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand nach der Geburt. Eine vorzeitige Plazentalösung liegt vor, wenn eine teilweise oder vollständige Plazentalösung noch während der Schwangerschaft (meist nach der 28. Schwangerschaftswoche) erfolgt.
Nachgeburtsperiode
Durch Nachwehen kommt es zu einer Verkleinerung der Gebärmutter und dadurch zu einer Abscherung der Plazenta von der Gebärmutterwand. Es entsteht eine Blutung zwischen Plazenta und Gebärmutter, die zusammen mit den Nachwehen zur Ausstoßung der Plazenta führt.
Plazentalösungszeichen: Die Gebärmutter steigt bei der Plazentalösung über den Nabel hoch und verschiebt sich dabei nach rechts (Schröder-Zeichen, Gebärmutterzeichen). Drückt die Hebamme die Bauchdecke oberhalb der Schambeinfuge etwas ein, bleibt die Nabelschnur unverändert sichtbar. Ist die Plazenta nicht gelöst, zieht sich die Nabelschnur bei diesem Handgriff wieder in die Gebärmutter zurück (Küstner-Zeichen).
Plazentalösungsstörung (Plazentaretention): Eine Störung der Plazentalösung liegt vor, wenn sich die Plazenta innerhalb von 30 Min. nach der Geburt nicht von selbst gelöst hat. Ursachen können eine Verwachsung der Plazenta mit der Gebärmutterwand, ausbleibende Nachwehen oder eine zu frühe Schließung des Muttermundes nach der Geburt sein. Um die Ausstoßung zu fördern, werden wehenfördernde Mittel verabreicht und der Credé-Handgriff angewandt.
Manuelle Plazentalösung: Löst sich die Plazenta auch nach der Gabe von Wehenmitteln nicht, muss sie in Narkose gelöst werden. Anschließend wird eine Ausschabung vorgenommen, um sicherzustellen, dass keine Plazentareste in der Gebärmutter zurückbleiben.
Vorzeitige Plazentalösung (Ablatio placentae, Abruptio placentae)
Zu einer vorzeitigen Plazentalösung kommt es bei ca. 0,5–1 % aller Schwangerschaften.
Ursache: Sie kann durch Verletzungen oder Erkrankungen der Mutter (z. B. Gestose) oder während der Geburt durch eine zu kurze Nabelschnur entstehen.
Befund: Die Frau verspürt plötzliche, starke Unterbauchschmerzen und hat häufig auch Blutungen aus der Scheide. Das Kind ist gefährdet, da es nicht mehr über die Plazenta mit Sauerstoff versorgt werden kann (Plazentainsuffizienz).
Behandlung: Bei einer Ablösung der gesamten Plazenta muss sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, um das Leben des Kindes zu retten. Ist das Kind noch nicht geburtsreif und die Ablösungsfläche klein, versucht man, die Lungenreifung des Ungeborenen medikamentös zu beschleunigen und die Geburt anschließend einzuleiten.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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